
Wissenschaftliche Einordnung meiner Arbeit mit
Rebirthing Breathwork
Im Rahmen meiner Masterthesis habe ich mich wissenschaftlich mit Rebirthing Breathwork auseinandergesetzt. Ziel der Arbeit war es, besser zu verstehen, wie gesunde Erwachsene eine Rebirthing-Breathwork-Sitzung subjektiv erleben und wahrnehmen, wenn diese in einem 1:1 Setting und in einem klar gerahmten, sicheren Kontext stattfindet. (2025)
Die hier dargestellten Inhalte sind eine verständliche Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse und dienen der Einordnung meiner praktischen Arbeit. Sie ersetzen keine therapeutische Wirksamkeitsprüfung, zeigen jedoch auf, welche inneren Prozesse im Rahmen von Rebirthing Breathwork berichtet werden und wie diese psychologisch eingeordnet werden können.
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Studiendesign in Kürze
Die Studie basiert auf qualitativen Interviews, die direkt nach einer Rebirthing-Breathwork-Sitzung durchgeführt wurden. Die Auswertung erfolgte nach der qualitativen Inhaltsanalyse (Mayring, 2022). Untersucht wurden drei zentrale Fragestellungen:
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Wie gestaltet sich das subjektive Erleben während einer Rebirthing-Breathwork-Sitzung?
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Welche körperlichen und sensorischen Wahrnehmungen werden berichtet?
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Welche Rolle spielen persönliche Kontextfaktoren wie Offenheit, Motivation, Erwartungshaltung oder spirituelle Selbstverortung?
Zur theoretischen Einordnung wurde ergänzend das Modell der 11 Dimensionen veränderter Bewusstseinszustände (11D-ASC) herangezogen (Studerus et al., 2010). Dieses Modell diente nicht als Messinstrument, sondern als konzeptueller Bezugsrahmen, um qualitative Erfahrungsdimensionen vergleichbar zu strukturieren.
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Zentrale Ergebnisse: Erleben
Über alle Interviews hinweg zeigte sich ein konsistentes Muster: Rebirthing Breathwork wurde nicht als unkontrollierter Zustand erlebt, sondern als bewusstes Sich-Einlassen bei gleichzeitigem innerem Halt. Viele Teilnehmende beschrieben die Sitzung als tiefgehend, klärend oder nachhaltig bedeutsam.
Besonders häufig wurde eine Reduktion oder zeitweise Aussetzung des Gedankenstroms berichtet. Dieser Zustand wurde nicht als Verlust, sondern als Ressource erlebt – verbunden mit innerer Ruhe, Zentrierung und einem neuen Zugang zu sich selbst. In psychologischer Sprache lässt sich dies als kognitive Dezentrierung und als Voraussetzung für kognitive Restrukturierung beschreiben: Gedanken verlieren vorübergehend ihre Überlagerungsfunktion, wodurch neue Perspektiven und Einsichten entstehen können.
Auf emotionaler Ebene berichteten die Teilnehmenden von einer hohen Bandbreite an Erfahrungen – von intensiven emotionalen Durchbrüchen bis hin zu stillen, prozesshaften Integrationen. Auffällig war, dass diese emotionalen Prozesse überwiegend als sinnvoll, entlastend und stabilisierend beschrieben wurden, sofern das Setting als sicher erlebt wurde. In der Einordnung über das 11D-ASC-Modell zeigten sich deutliche Überschneidungen mit den Dimensionen Insightfulness, Blissful State, teilweise Spiritual Experience sowie Veränderungen in Kontrolle und Kognition.
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Wahrnehmung
Auch auf der Ebene der Körper- und Sinneswahrnehmung unterschieden sich die berichteten Erfahrungen deutlich vom Alltagsbewusstsein. Nahezu alle Teilnehmenden beschrieben eine intensivierte Körperwahrnehmung, häufig in Form von Kribbeln, Spannungszuständen, spontanen Bewegungsimpulsen oder spürbarer Entlastung.
Diese Prozesse lassen sich als Ausdruck somatischer Selbstregulation verstehen, wie sie auch in körperorientierten psychologischen Modellen beschrieben wird. Rebirthing Breathwork wirkt hier als sogenannter Bottom-up-Zugang, bei dem über den Körper Einfluss auf emotionale und kognitive Prozesse genommen wird.
Visuelle Wahrnehmungen bei geschlossenen Augen traten bei der Mehrheit der Teilnehmenden auf. Beschrieben wurden Lichtphänomene, Farben, Muster sowie vereinzelt szenische oder symbolische Bilder. Diese lassen sich den 11D-ASC-Dimensionen Elementary Imagery und Complex Imagery zuordnen. Auditive Veränderungen waren selten; Musik wurde jedoch mehrfach als tragendes und strukturierendes Element für den Atemprozess erlebt.
Interozeptiv berichteten viele Teilnehmende von vegetativen Phänomenen wie Wärme, Kälte, Pulsieren oder Vibration. Diese Wahrnehmungen deuten auf eine deutliche Beteiligung des autonomen Nervensystems und eine verstärkte Innenwahrnehmung hin.
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Kontextfaktoren: Was die Erfahrung mitprägt
Die Analyse zeigt, dass persönliche Kontextfaktoren die Erfahrung nicht determinieren, aber wesentlich mitgestalten. Eine hohe Bereitschaft zur inneren Auseinandersetzung, Motivation zur persönlichen Weiterentwicklung sowie eine offene Haltung gegenüber dem Prozess gingen häufig mit größerer emotionaler Tiefe und Integrationsfähigkeit einher.
Spirituelle Selbstverortung und Vorerfahrungen mit veränderten Bewusstseinszuständen schienen die Deutung und Einordnung der Erfahrung zu erleichtern, waren jedoch keine Voraussetzung für eine intensive Erfahrung. Der stabilste gemeinsame Faktor war die bewusste Entscheidung, sich auf den Prozess einzulassen, sowie das Erleben eines sicheren, klaren Rahmens.
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Carhart-Harris, R. L., & Friston, K. J. (2018). REBUS and the anarchic brain. Pharmacological Reviews, 71(3), 316–344.
Mayring, P. (2022). Qualitative Inhaltsanalyse: Grundlagen und Techniken (13. Aufl.). Beltz.
Levine, P. A. (1997). Waking the tiger: Healing trauma. North Atlantic Books.​
Studerus, E., Gamma, A., & Vollenweider, F. X. (2010). Psychometric evaluation of the altered states of consciousness rating scale (OAV). PLoS ONE, 5(8), e12412.
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Bedeutung für meine heutige Praxis
Aus der Studie lassen sich für meine Arbeit drei zentrale Aspekte ableiten:
Rebirthing Breathwork kann einen Zustand fördern, in dem Menschen einen direkteren Zugang zu Körper, Emotion und innerer Bedeutung erleben, ohne von Gedanken überlagert zu sein.
Tiefe entsteht nicht durch Intensität allein, sondern durch Sicherheit, Orientierung und Integration.
Individuelle Voraussetzungen beeinflussen, wie sich der Prozess entfaltet, weshalb Vorbereitung, Begleitung und Nachbesprechung zentrale Bestandteile meiner Arbeit sind.
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Grenzen & Transparenz
Die Ergebnisse basieren auf einer kleinen, qualitativen Stichprobe gesunder Erwachsener. Es handelt sich nicht um Wirksamkeitsnachweise im klinischen Sinne. Es gab keine Kontrollgruppe und keine standardisierten Vorher-Nachher-Messungen. Die Aussagen beschreiben subjektive Erfahrungen, die kontextabhängig sind und nicht generalisiert werden können.
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Einordnung
Die Arbeit zeigt, dass Rebirthing Breathwork im 1:1 Setting ein eigenständiger, nicht-pharmakologischer Zugang zu veränderten Bewusstseinszuständen sein kann, der Selbstexploration, emotionale Verarbeitung und Integration unterstützt – vorausgesetzt, er ist klar gerahmt, freiwillig und sicher begleitet.
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